by Herbert Innerkofler

Schlafstörungen bei Kindern


Das Kind ist unruhig, liegt längere Zeit wach, steht immer wieder auf oder ruft nach Mutter oder Vater. Bald ist die  ganze Familie gereizt, weil sich dieses Spiel tagtäglich wiederholt und wie in einem Teufelskreis kommt es irgendwann zu überschiessenden Reaktionen. Häufig fragen sich Elten, ob man ihrem Kind nicht ein Schlafmittel geben kann damit es endlich schlafen lernt.
Zunächst sollte man allerdings auf Ursachenforschung gehen warum das Kind nicht einschlafen kann. Häufige Gründe sind:
     Ängste
     Langeweile
     Bewegungsmangel
     ständige Unruhe und zu viele Reizeinflüsse
       tagsüber
     zu schwere Mahlzeiten vor dem Schlafengehen

Aber auch psychische Ursachen können mitspielen:

Wird das Kind für bestimmte Vergehen ins Bett geschickt?
Bekommt das Kind tagsüber zu wenig Aufmerksamkeit?

Der Griff nach einem Schlafmittel sollte schon aufgrund der Abhängigkeitsgefahr nicht in Erwägung gezogen werden.

Versuchen Sie lieber folgendes alte Hausmittel:

Schlummertrunk:
2 Teelöffel Kamillenblüten mit 1/4l kochendem Wasser übergießen und 10 Min. ziehen lassen danach abseihen.
2 Teelöffel Honig und 100ml Milch hinzugeben
Das schmeckt und kann als regelmäßiges Einschlafritual genutzt werden.

Während das Kind langsam trinkt kann die Zeit genutzt werden um noch einmal Tagesereignisse zu besprechen oder eine kleine Geschichte vorzulesen. Hier finden Sie eine wunderhübsche Beispielgeschichte, die wir einer Website für Mütter
(
www.mutterseite.de) entnommen haben. Geschrieben hat sie
Heike im Dezember 2002:

Vom Engelchen, das nicht schlafen will    

Eines Tages geht ein Engelchen über eine Wiese.

Es ist eine sehr schöne Wiese, auf der saftiges, grünes Gras wächst, und es gibt viele bunte Blumen, die lustig im sanften Wind hin und her schaukeln.

Bunte Schmetterlinge tanzen in der Luft und noch ein bisschen höher fliegen die Vögelchen, die lustig ihre Lieder singen.

Am Rand der Wiese stehen Bäume, die mit ihrem satten Laub Schatten spenden und den Vögelchen ihre Äste zum Ausruhen anbieten. 

All diese Schönheit um es herum nimmt jedoch das Engelchen gar nicht war.

Es macht einen sehr nachdenklichen Eindruck und hat den Kopf leicht nach unten gebeugt. Fast sieht es aus, als würde das Engelchen gar nicht wissen, wo es denn hingehen will. 

Angekommen an einem Bach lässt sich das Engelchen auf einen Stein nieder und schaut missmutig ins Wasser.

Lustige Funkelbilder entstehen, als die Sonne über das sprudelnde Wasser des Baches streichelt. Doch auch das sieht das Engelchen nicht. 

“Was machst Du nur für ein trauriges Gesicht an so einem schönen Tag?” wird des plötzlich von einem Fisch gefragt, der neugierig aus dem Wasser zum Engelchen heraufschaut.

Erstaunt blickt ihn das Engelchen an, und im ersten Moment weiß es gar nicht, was es antworten soll. Doch schließlich gibt es einen tiefen Seufzer von sich und sagt zum Fisch:”Ich verstehe das einfach nicht, warum ich abends immer ins Bett gehen soll. Ich bin doch meist noch gar nicht müde, nur ein bisschen, aber nur ein ganz kleines Bisschen vielleicht!” 

Das muss der Fisch ganz herzhaft lachen und er fragt das Engelchen:”Aber warum gehst Du denn nicht gerne in Dein Bett? Das verstehe ich gar nicht? Wenn ich den ganzen Tag in meinem Bach herumgeschwommen bin, dann freue ich mich schon auf unsere gemütliche, warme Höhle mit den weichen und flauschigen Algenbetten. Wir erzählen uns, was wir tagsüber erlebt haben und manchmal erzählt unsere Mutter uns noch eine Geschichte. Das ist sehr, sehr schön und macht schläfrig, und schließlich schlafe ich dann ein. Der Schlaf ist mein Freund, denn er gibt mir viel Kraft für den nächsten Tag. Und manchmal wird mir auch ein Traum geschenkt. Wie könnte ich so schön träumen, wenn ich nicht schlafen würde?”

Erstaunt hört das Engelchen dem Fisch zu und fasst kann es fühlen, wie es schläfrig wird, und das, obwohl die Sonne noch scheint und es noch lange nicht Abend ist. 

Der Fisch winkt dem Engelchen mit seiner kleinen Flosse noch einmal zu, und schon schießt er durch das Wasser und schon bald kann ihn das Engelchen nicht mehr sehen.

So allein gelassen hat das Engelchen gar keine Lust mehr, noch weiter hier zu bleiben, und so steht es auf und zieht weiter. 

Am Waldrand angekommen trifft es ein Hasenkind, dass gerade herzhaft an einer großen Möhre knabbert.

“Hallo Hasenkind”, sagt das Engelchen, und setzt sich zu ihm ins Gras. 

“Hallo”, schmatzt der kleine Hase und zwinkert dem Engelchen lustig zu. “Was für ein schöner Tag, möchtest Du etwas von meiner Möhre abhaben?”

“Nein, danke”, antwortet das Engelchen. “Ich habe keinen Hunger, ich muss schon den ganzen Tag über etwas nachdenken” 

“Was ist denn so wichtig, dass es Dir das Essen verleidet?”, fragt der kleine Hase neugierig das Engelchen.  

“Nun, es ist die Sache mit dem Schlafen gehen. Jeden Abend möchte meine Mutter, dass ich schlafen gehe und meist bin ich ja noch gar nicht richtig müde - jedenfalls nicht so ganz richtig müde”

“Ach herrje!”, sagt das Hasenkind. “Freust Du Dich denn nicht ein bisschen auf Dein warmes, kuscheliges Bett? Wenn es draußen dunkel wird und die Sternlein und der Mond vom blauen Himmelzelt zu uns herunterschauen und uns die Träume schicken? Ich kuschele mich dann immer an meine Geschwister und meistens erzählen wir noch ein bisschen und wenn die Mutter mit uns das Dankgebet gesprochen hat, dann bin ich hinterher so richtig schwer und träge und dann fallen mir die Augen zu. Der Schlaf macht uns groß und stark, weißtt Du das?”

Verwundert starrt das Engelchen das Hasenkind an. Und nur mit Mühe kann es ein Gähnen unterdrücken, denn es war gestern erst spät im Bett und die Geschichte des kleinen Hasen hat es richtig müde gemacht, so deutlich kann es sich das warme, kuschelige Bett vorstellen. 

Das Hasenkind kaut schon wieder genüsslich an seiner Möhre und bekommt den erstaunten Blick gar nicht mit. Als das Engelchen sich von ihm verabschiedet, zwinkert es ihm noch einmal lustig zu und hoppelt ebenfalls davon. 

Das Engelchen geht den Weg durch den Wald, der zu seinem Heim führt. Immer noch sehr nachdenklich bekommt es gar nicht mir, wie die Vögel in den Bäumen singen. Ein Fuchs zieht an ihm vorbei, ein Reh kreuzt seinen Weg und von weither hört man noch das Rauschen des Baches. Nichts davon kann des Engelchens Interesse wecken. 

Der Weg nach Haus war lang, und als das Engelchen dort angekommen ist, steht die Sonne schon tief, und die Abenddämmerung breitet sich langsam über dem Tal aus, indem das Engelchen wohnt.

Vor dem Haus wird es bereits von seiner Mutter erwartet, die ihm liebevoll zuwinkt.“Wie schön, dass Du kommst. Das Essen wartet schon und auch der Vater ist bereits heimgekehrt.”

Während des Essens ist das Engelchen merkwürdig still und bekommt auch nicht mit, dass die Mutter dem Vater zuzwinkert. “Stell Dir vor, Vater, unser Engelchen hat heute einen sehr langen Spaziergang gemacht”. “Oh, ja”, antwortet der Vater. “Auf meiner Reise zu den Menschen habe ich es ein paar mal gesehen. Ich habe ihm sogar zu gewunken, aber es war so in Gedanken vertieft, dass es mich gar nicht sah”. 

Nach dem Essen hilft das Engelchen der Mutter noch beim Aufräumen, und dabei erzählt es ihr, was es heute alles erlebt hat. “Stell Dir nur vor”, sagt es aufgeregt, “die Fische haben weiche Betten aus Algen und jeden Abend erzählen sie sich, was sie tagsüber gemacht haben, und manchmal erzählt die Mutter Geschichten. Und die Hasen schlafen aneinandergekuschelt und sprechen ein Dankgebet. Wusstest Du, das der Schlaf uns groß und stark macht? Und das die Sterne und der Mond uns Träume schicken? Und das der nächste Tag viel schöner ist, wenn wir richtig geschlafen haben?”

Die Mutter nickt weise und lächelt ihrem Engelchen zu. “Jaaaa, der Schlaf ist ein guter Freund im Leben und beschenkt uns reich.”

Als die ersten Sterne am Himmelszelt erscheinen, kuschelt sich das Engelchen an seine Mutter und gähnt ganz herzhaft.

“Ich glaube Mutter”, sagt es, “ich möchte jetzt gerne in mein Bett, ich bin sooo müde”

Da nimmt die Mutter es bei der Hand, begleitet es in sein Bett und setzt sich zu ihm auf die Bettkante. Sorgsam deckt sie ihr Engelchen zu und haucht ihm einen Kuss auf die Stirn, als das Engelchen bereits eingeschlafen ist.

(Heike, Dezember 2002)