by Herbert Innerkofler

Migräne


Jeder dritte Deutsche leidet oft und jeder zehnte ständig unter Kopfschmerzen, selbst jedes 10. Schulkind klagt darüber!

Aber Kopfschmerz ist nicht immer gleich Kopfschmerz, es gibt viele unterschiedliche Arten. Wichtig ist eine genaue ärztliche Untersuchung und Abklärung.
Die häufigste Kopfschmerzart ist der Spannungskopfschmerz, von ihm sind etwa 54% betroffen. An nächster Stelle folgt mit 38% die Migräne. Nur 8% der Kopfschmerzen betreffen andere Formen wie z. B. Clusterkopfschmerz, Neuralgien etc.
Frauen leiden häufiger unter Migräne als Männer, oft war der erste Migräneanfall bereits im Kindesalter. Eine Studie der  US-Universität Cleveland ergab 1998, dass jedes 12. Kind unter Migräne leidet. Der Häufigkeitsgipfel dieser Erkrankung liegt im Alter von 20 - 40 Jahren. Im Alter läßt die Symptomatik nach, bei Frauen häufig nach der Menopause.

 Migräne wird zwischen zwei Hauptformen unterschieden:
 

    1. Die einfache Migräne, die häufig in den frühen Morgenstunden oder am Wochenende auftritt. Sie wird beschrieben mit  klopfenden, stechenden oder dröhnenden Kopfschmerzen, die von Übelkeit bis heftigen Erbrechen begleitet sind. Hinzu können Durchfälle oder Verstopfung kommen, schwere Sprache, totale Erschöpfung durch den Schmerz und Überempfindlichkeit aller Sinne.

    2. Die sogenannte Migräne mit Aura. Sie beginnt mit Augenflimmern und Sehstörungen, häufig mit blinden Flecken im Gesichtsfeld, umgeben von gezackten Rändern. Wird nach ca. 20 Min. der Blick wieder klar, setzt explosionsartig hinter der rechten Schläfe der Schmerz ein.

Die Betroffenen leiden stark unter ihren Krankheitssymptomen, die häufig von der Umwelt nicht anerkannt werden. Die soziale Komponente aufgrund des Leidens kann zusätzlichen Stress bedeuten, insbesondere wenn der Arbeitsplatz bedroht ist.
Während eines Migräneanfalls kommt es zu einer Minderdurchblutung im hinteren Teil der Hirnrinde, die sich langsam nach  vorne ausbreitet. H. C. Diener führte 1996 Untersuchungen mit einem Positionenemmissionstomographen (PET) durch. Diese  ergaben, dass der Migräne Stoffwechselstörungen in den Zellen bestimmter Hirnstammregionen zugrunde liegen können.  So wurde anhand diese PET-Untersuchungen eine erhöhte Serotonin- und Noradrenalinproduktion festgestellt.
Im Kortex kommt es zu negativen Entladungen noradrenerger und später dopaminerger Komponenten. Des weiteren scheint eine  erhöhte neuromuskuläre Erregbarkeit der pathologischen Veränderung des Magnesium- und Kalziumspiegels vorzuliegen. Häufig  befreit eine i.v. Gabe Magnesium-Sulfat-Lösung (1g) spontan von dem Migräneanfall.
Die orthemolekulare Substitutionstherapie sieht folgendermaßen aus:
 

 * 100 - 200mg/d Magnesium i.m. über ca 2 - 3 Wochen
 * Vitamin B Komplex sowie Folsäure i.m. injiziert oder als Neuraltherapie

Anders bei hormonell bedingter Migräne, hier muß ein eine hormonelle Abklärung erfolgen. Ein Therapieversuch mit Agnus Castus ist sinnvoll, wenn es sich um ein prämenstruelles Syndrom handelt.

Als klassische Therapie der menstruellen Migräne seien hier Tryptane oder Tamoxifen benannt. Da Migränepatienten häufig  zu Medikamenten greifen, um nicht in den Schmerzzustand zu gelangen, möchte ich an dieser Stelle noch auf den  Phenazetin-Kopfschmerz hinweisen. Hier nimmt der Betroffene das Schmerzmittel und erhält als Rückkoppelung Dauerkopfschmerzen, der Patient bewegt sich quasi in einem Teufelskreis.
Um den Erkrankten den Verzicht auf Schmerzmittel zu ermöglichen, sind Neuraltherapie oder Akupunktur sinnvolle Varianten.
In der Ayurveda-Medizin wird ein Einlauf mit klarem, warmen Wasser empfohlen, da viele Kopfschmerzarten auf die Ansammlung  von Giftstoffen im Darm zurückzuführen sind. Zusätzliche heiße Duschen entspannen den Körper.
Entspannungstherapie, autogenes Training und "Stirnkühlungs-Übungen" runden die Behandlungen ab.
Noch einmal möchte ich hier auf ärztliche Diagnostik verweisen; auch ein Zahnarztbesuch bringt manchmal Erfolge. Oftmals  entsteht Migräne im Schlaf, diese Patienten beißen nachts stark die Zähne zusammen oder fallen durch Zähneknirschen auf.  Durch die verspannte Wangen- und Kopfmuskulatur kommt es zu Kopfschmerzen. Fertigt der Zahnarzt eine sogenannte Aufbissschiene an, sind auch die Kopfschmerzen nicht mehr vorhanden.

Naturmedizinische Behandlung beinhaltet die:
 

  • Blutegeltherapie
  • Akupunktur
  • Neuraltherapie
  • Chiropraktik
  • Osteopathie
  • orthomolekulare Ernährung
  • Ayurveda
  • Entspannungsprogramme, die zusätzlich zur herkömmlichen Medizin eingesetzt werden können, um den Erfolg der Behandlung  zu gewährleisten.

Fazit:

Es gibt viele Möglichkeiten die Migräne zu behandeln. Es sollte nicht versäumt werden ganzheitlich nach den Ursachen zu forschen.
Migräne muß nicht sein!

Literatur:

Hans Dietl/Gerhard Ohlenschläger, Handbuch der Orthomolekularen Ernährung, 2. Auflage, Haugh Verlag Heidelberg 1998
Heidelore Kluge/Dr. R. Charles Fernando, Weihrauch und seine heilende Wirkung, Haugh Verlag Heidelberg 1998
Niestroj, Praxis der Orthomolekularen Medizin, Hippokrates Verlag Stuttgart 1999